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Warum Entspannung manchmal anstrengend sein kann

Warum Entspannung manchmal anstrengend sein kann

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Serie „Neue Perspektiven auf Körper & Psyche“ | Teil 1

Du hast endlich Feierabend. Das Handy ist leise. Die To-do-Liste ist abgearbeitet. Zum ersten Mal seit Tagen wird es ruhig. Eigentlich hast du dich genau auf diesen Moment gefreut.

Doch statt Erleichterung spürst du Unruhe. Deine Gedanken kreisen. Vielleicht greifst du automatisch wieder zum Handy. Vielleicht suchst du dir eine neue Aufgabe oder hast das Gefühl, unbedingt noch etwas erledigen zu müssen.

Falls du das kennst, bist du damit nicht allein. Viele Menschen erleben genau das. Ruhe fühlt sich für sie zunächst gar nicht ruhig an.

Wenn Ruhe ungewohnt geworden ist

Unser Nervensystem passt sich ständig an die Bedingungen an, unter denen wir leben. Wer über längere Zeit unter hoher Belastung steht, viele Termine bewältigt oder dauerhaft aufmerksam sein muss, erlebt Anspannung häufig als normalen Zustand.

Das bedeutet nicht, dass der Körper dauerhaft unter Stress stehen möchte. Er gewöhnt sich jedoch an bestimmte Aktivierungsmuster. Kommt dann plötzlich Ruhe in den Alltag, kann sich diese zunächst ungewohnt anfühlen. Manche Menschen werden unruhig. Andere fühlen sich rastlos oder greifen automatisch wieder zum Smartphone. Wieder andere bemerken erst jetzt, wie erschöpft sie eigentlich sind.

Diese Reaktionen können viele Ursachen haben. Sie sind nicht automatisch ein Hinweis auf eine Erkrankung. Sie zeigen jedoch, wie eng Körper und Nervensystem miteinander verbunden sind.

Warum Wissen bzw. Verstehen oft nicht ausreicht

Viele Menschen wissen sehr genau, was ihnen guttun würde. Mehr Pausen. Mehr Schlaf. Mehr Bewegung. Mehr Zeit für sich. Und trotzdem fällt es schwer, diese Veränderungen dauerhaft umzusetzen.

Der Grund liegt häufig darin, dass unser Nervensystem vor allem durch Erfahrungen lernt. Reines Wissen verändert noch keine vertrauten Reaktionsmuster. Erst wenn der Körper wiederholt erlebt, dass Ruhe sicher ist, kann sich nach und nach auch das Erleben verändern.

Genau deshalb reichen gute Vorsätze allein oft nicht aus.

Der Körper darf neue Erfahrungen machen

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie wertvoll körperorientierte Methoden sein können.

Achtsame Bewegung, Tanz, Klang oder bewusste Körperwahrnehmung sprechen den Menschen auf einer anderen Ebene an als reine Informationen. Sie schaffen Erfahrungsräume, in denen Menschen sich selbst wieder wahrnehmen und erleben können.

Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell zu entspannen. Vielmehr entsteht Schritt für Schritt die Möglichkeit, dem eigenen Nervensystem neue Erfahrungen anzubieten. Jede Erfahrung ist dabei individuell. Was einer Person guttut, muss nicht automatisch für eine andere passend sein.

Entspannung ist kein Leistungsziel

Vielleicht kennst du den Gedanken: „Ich müsste mich jetzt endlich entspannen.“ Gerade dieser Druck kann das Gegenteil bewirken. Entspannung lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht häufig dort, wo Sicherheit, Vertrauen und eine achtsame Wahrnehmung des eigenen Körpers wachsen dürfen.

Deshalb beginnt Veränderung oft nicht mit mehr Disziplin. Sie beginnt mit einem besseren Verständnis für die eigenen Reaktionen und mit Erfahrungen, die dem Körper zeigen: Hier darf ich zur Ruhe kommen.

Mein Impuls für dich

Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass Ruhe sich ungewohnt anfühlt, musst du diesen Moment nicht sofort verändern. Vielleicht genügt es zunächst, ihn wahrzunehmen. Oft beginnt genau dort ein neuer Blick auf den eigenen Körper.

Zum Mitnehmen

Verstehen ist wichtig. Erfahrung macht den Unterschied.

Susan Hähle

Gründerin & Wegbegleiterin

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